Match & Mix: durch IOL-Probesehen zur individuell präferierten Intraokularlinsen-Kombination
19.08.2026 (aktualisiert: 20.08.2026)Match & Mix mit RALV erweitert das klassische Mix-and-Match-Prinzip um präoperatives Probesehen. So können unterschiedliche IOL-Kombinationen verglichen und individuelle Sehpräferenzen bereits vor dem Eingriff berücksichtigt werden.
Das Match & Mix-Verfahren (1stQ) mit dem innovativen optischen Gerät RALV® (Real Artificial Lens Vision; DEZIMAL GmbH) ist eine Weiterentwicklung der gängigen Mix-and-Match-Methode. Ziel ist das optimale, natürliche Sehen des Patienten nach dem Linsentausch. Erfahren Sie, welche Vorteile Match & Mix hat und warum Grundlagen der konventionellen Mix-and-Match-Methode zur Augendominanz ersten Erkenntnissen nach nicht für alle Patienten zutreffend sind.
Immer mehr Menschen entscheiden sich bei fortgeschrittener Presbyopie für einen refraktiven Linsenaustausch, noch lange bevor sich bei ihnen eine Katarakt bemerkbar macht.(1) Dabei handelt es sich meist um Menschen mit einem aktiven Lebensstil, die mitten im Beruf stehen und einen starken Wunsch nach Brillenunabhängigkeit haben. Verständlicherweise ist bei einer Clear Lens Extraction (CLE) der Anspruch der Patienten besonders groß, dass zusätzlich zur scharfen Sicht in allen Sehdistanzen möglichst wenig Dysphotopsien auftreten. Um das zu erreichen, stehen hochwertige multifokale Intraokularlinsen zur Verfügung, die beidseitig implantiert werden.
Zudem werden seit geraumer Zeit beim Linsenaustausch mittels „Mix & Match“-Verfahren unterschiedliche IOL ins rechte und linke Auge implantiert.(2,3) Das verschafft einen größeren optischen Spielraum, um die individuell beste Sehlösung zu erzielen.(2) Allerdings mussten sich Augenärzte und Patienten bei Mix & Match bisher auf theoretische Annahmen verlassen. Es gibt erste Hinweise, dass die angewandten Theorien zur Augendominanz nicht immer zutreffen.(4-7) Eine Weiterentwicklung der bereits gängigen Mix-and-Match-Methode ist das Konzept „Match & Mix“ (1stQ), das mit dem Gerät RALV arbeitet und auf mehr Sicherheit setzt, indem es das präoperative Probesehen von verschiedenen IOL-Kombinationen ermöglicht und somit ein echtes „Matchen“ erlaubt.(1)
Mix & Match bei CLE und Katarakt: Grundprinzip und Grenzen
Bei der gängigen Mix-and-Match-Methode werden in das linke und rechte Auge je ein anderes IOL-Modell implantiert. Dabei können zum Beispiel sowohl eine monofokale Intraokularlinse mit einer trifokalen Intraokularlinse oder eine trifokale IOL mit einer extended-depth-of-focus IOL (EDOF-IOL) kombiniert werden als auch IOL mit gleicher Optik, die sich nur in der Stärke der Addition unterscheiden.(2,8) Üblicherweise wird diejenige IOL in das dominante Auge implantiert, von der weniger optische Störeffekte und ein besseres Kontrastsehen zu erwarten sind.(3,8) So wird etwa die IOL mit höherer Addition ins nicht dominante Auge und die IOL mit der niedrigeren Addition ins dominante Auge implantiert. Verschiedene Additionen führen zu einer Überlappung der Defokuskurven.(2) Das Ziel dahinter ist, eine erhöhte Tiefenschärfe bei reduzierten Dysphotopsien und letztlich mehr Brillenunabhängigkeit zu erreichen.(2)
Die Kombinationsmöglichkeiten bei Mix & Match sind äußerst vielfältig und ermöglichen eine auf die Wünsche des Patienten zugeschnittene Versorgung mit Intraokularlinsen. Allerdings erfolgt die Planung des bisherigen Mix-and-Match-Prinzips auf Grundlage theoretischer Überlegungen und genereller Patientenerfahrungen. Was aber, wenn die gängigen Dominanzkonzepte für einen signifikanten Anteil von Patienten nicht zutreffen, weil sie womöglich gar nicht allgemeingültig sind? Dann würde die Sehleistung nach der Linsen-OP nicht wie erwartet ausfallen und im Worst Case kann eine Explantation der IOL notwendig werden.
Studienlage: Warum klassisches Mix & Match nicht immer gelingt
Durch den Einsatz unterschiedlicher IOL-Optiken wird versucht, die Vorteile beider Modelle zu vereinen.(8,9) Wenn etwa in das eine Auge eine EDOF-IOL und in das andere Auge eine trifokale Intraokularlinse implantiert wird, soll der hohe Sehkomfort mit minimierten optischen Störungen der EDOF-IOL mit der starken Sehleistung auf allen drei Distanzen der trifokalen IOL kombiniert werden.(9) Studien belegen, dass Mix-and-Match-Konzepte tatsächlich zufriedenstellende Ergebnisse liefern und den Patienten einen Mehrwert bieten können.(2,9,10)
Allerdings ist die Studienlage nicht einheitlich.(9,10) Manche Studien können keinen Vorteil feststellen.(9,10) Die Gründe dafür können in der Methodik, aber auch in der Planung der IOL-Auswahl und -Verteilung links/rechts liegen.(9) Wenn das eine Auge mit einer anderen IOL-Optik ausgestattet wird als das andere Auge, hängt der Erfolg des binokularen Sehens noch mehr von der Augendominanz, der neuronalen Adaption und der zielsicheren refraktiven Berechnung ab.(9) Gerade bei der Augendominanz zeigen aktuelle Untersuchungen, dass die gängige Zuordnung des IOL-Modells für das dominante und nicht dominante Auge nicht für alle Patienten die beste Lösung zu sein scheint.(4-7)
Motorische Dominanz und sensorische Dominanz
Für das bekannte Mix & Match wird in der Regel die motorische Augendominanz ermittelt.(11-13) Dazu stehen verschiedene Tests zur Verfügung: unter anderem der Lochkarten-Test, der Porta-Test oder der Miles-Test. Mit diesen Tests lässt sich feststellen, welches Auge das Führungsauge ist und das Ziel anvisiert sowie rein monokulare Aufgaben wie beim Blick durch ein Teleskop übernimmt.(12,14) Von der motorischen Dominanz ist die sensorische Augendominanz zu unterscheiden. Die sensorische Dominanz spielt in Situationen eine Rolle, in der es eine Rivalität zwischen der Wahrnehmung der vom rechten und linken Auge ans Gehirn weitergeleiteten Informationen gibt.(14) Das betrifft zum Beispiel die Wahrnehmung von Farben, Helligkeit und Kontrast. Es ist das Auge sensorisch dominant, dessen Bild länger in der Wahrnehmung präsent bleibt.(14) Zur Bestimmung der sensorischen Dominanz gibt es ebenfalls verschiedene Tests. Häufig wird dazu der Nebeltest verwendet, bei dem rechtes und linkes Auge nacheinander durch ein Nebelglas mit mindestens +1 Dioptrie schauen. Das Auge, bei dem der Blick durch das Nebelglas störender empfunden wird, ist das sensorisch dominante Auge.
Das motorisch dominante Auge ist jedoch nicht immer auch das sensorisch dominante Auge.(12) In einer aktuellen Studie mit 326 Teilnehmern in fünf augenärztlichen Praxen in den USA war bei 41 Prozent der Probanden das motorisch dominante Auge nicht das sensorisch dominante Auge.(12) Es scheint aber auch davon abzuhängen, welche Testmethoden jeweils gewählt werden.(12,15,16) Darüber hinaus ist bei manchen Menschen weder eine motorische noch eine sensorische Dominanz für ein Auge feststellbar oder sie wechselt abhängig von bestimmten Bedingungen.(12)
Match & Mix mit RALV: Präoperatives Probesehen als Entscheidungsbasis
Eine Lösung für die Unsicherheiten des klassischen Mix-and-Match-Konzeptes kann das 1stQ Match & Mix mit dem RALV-Gerät bieten. Es braucht nur zwei Schritte:
- Den geeigneten IOL-Mix finden
Der Patient sieht präoperativ durch vorselektierte echte IOL, die in das Gerät RALV mittels IOL-Shuttle eingesetzt werden. Es wird bestimmt, welche IOL-Kombination der Patient subjektiv am besten findet. Dabei wird zunächst das gängige Dominanzprinzip berücksichtigt und die IOL mit der höheren Addition vor das nicht dominante Auge geschaltet. - Das Matching
Im Matching-Schritt können die beiden ausgewählten IOL links und rechts getauscht werden. Das Matching findet an RALV binokular statt, da die Präferenzbestimmung auf das Zusammenspiel beider Augen abzielt. Dabei zeigte sich bereits bei ersten Tests, dass bei einigen Menschen ein Präferenzwechsel stattfindet.(4) Obwohl nun entgegen der Lehrmeinung das motorisch dominante Auge durch die IOL mit der höheren Addition schaut, berichten Probanden von einer optimierten Sehleistung mit weniger Halos und stärkerem Kontrast.(4)
Da ein Präferenzwechsel jedoch nicht bei allen Patienten zu beobachten ist, kann das Dominanzprinzip nicht einfach umgedreht werden. Es scheint also nicht auszureichen, die motorische Dominanz zu bestimmen und darauf basierend die Intraokularlinsen-Modelle den Augen zuzuordnen. Dazu passt auch, dass die motorische Dominanz nicht immer mit der sensorischen Dominanz übereinstimmt, aber vermutlich beides eine Rolle bei der Wahrnehmung von Seheindrücken mit pseudophaken Augen spielt.
Das Probesehen mit dem RALV-Gerät kann dazu dienen, anstelle der Dominanz die echte Sehpräferenz eines Patienten zu finden. Denn die Patienten können selbst vorab erleben, welche IOL-Kombination sie subjektiv bevorzugen.
Wenn für einen Patienten die binokulare Versorgung mit zwei gleichen IOL sinnvoller ist, ist das ebenfalls mit dem Gerät RALV feststellbar. Das kann zum Beispiel für Patienten mit wechselnder Dominanz der Fall sein.(15)
Ist die Präferenz bei der IOL-Anpassung entscheidender als die Dominanz?
Bei einer Datenerhebung im Rahmen der DOC 2026 kam es beim Blick durch eine MonoPlus und eine trifokale IOL mittels RALV bei 35% der Teilnehmenden zu einem Präferenzwechsel.(4) Ebenso konnten die Vorteile von Match & Mix gegenüber einer binokularen Versorgung mit trifokalen IOL untermauert werden, da mehr als 80% einen höheren Sehkomfort und weniger Halos mit der Kombination aus Mono+ und trifokaler IOL wahrnahmen.(4)
In einer Studie der Charité Berlin berichteten junge, phake Probanden ebenfalls von reduzierten Halos, wenn sie mittels RALV durch eine monofokale IOL mit dem einen Auge und durch eine trifokale IOL mit dem anderen Auge schauten im Vergleich zur binokularen Sicht durch je eine trifokale IOL.(5) Außerdem war die gemessene Kontrastsensitivität mit der Kombination aus monofokaler und trifokaler IOL höher, während der Fernvisus konstant blieb.(5) Die Studie konnte zudem keinen signifikanten Einfluss der motorischen oder sensorischen Dominanz auf die Rechts-links-Verteilung der trifokalen und monofokalen IOL feststellen.(5) Das Ergebnis spricht ebenfalls dafür, dass eine Dominanztestung nicht für alle Patienten ausschlaggebend ist, um die bestmögliche IOL-Lösung zu finden.
Darüber hinaus gibt es auch Hinweise aus der Mini-Monovision, dass es manchmal vorteilhaft ist, die Verteilung der IOL auf das dominante und nicht dominante Auge umzukehren.(6,7) Womöglich ist es daher sinnvoller, bei der IOL-Anpassung von Präferenz statt von Dominanz zu sprechen und vor allem die Zusammenarbeit beider Augen zu berücksichtigen.(12,16) Match & Mix mit RALV kann durch das Probesehen den nötigen Rahmen dafür schaffen.
Liberty²: AddOn-IOL für präzise Anpassung im Match & Mix-Verfahren
Mit dem neuen Konzept Match & Mix mit RALV (1stQ) können grundsätzlich alle IOL-Modelle ausprobiert und kombiniert werden, sowohl Kapselsacklinsen mit und ohne AddOn® Sulkuslinsen als auch alle Optiken von monofokal, monofokal plus über EDOF bis torisch-trifokal.
Eine maßgeschneiderte Anpassung der Additionen an das Sehprofil des Patienten ist jedoch vor allem mit Liberty² zu erreichen. Die trifokale AddOn von 1stQ hat eine Nahaddition von +3,0 D (sowie eine intermediäre Addition von +1,5 D), während die EDOF-AddOn mit einer Addition von +1,75 D oder +2,25 D erhältlich ist. Liberty² kann beidseitig in unterschiedlicher Ausführung oder einseitig in Kombination mit einer alleinigen Kapselsacklinse im anderen Auge (z. B. Mono+) gemixt werden. Außerdem bietet Liberty² eine große postoperative Flexibilität, da die AddOn atraumatisch ausgetauscht und das Sehergebnis somit jederzeit nachjustiert werden kann.(17-19) Darüber hinaus kann die IOL Experience das Konzept Match & Mix ideal abrunden, indem sie für einen effizienten Workflow mit optimierter Beratung und Patientenkommunikation sorgt.(20)
Fazit – Keine Kompromisse mehr bei Multifokalität dank Match & Mix
Match & Mix mit RALV kann das optimale Ziel beim refraktiven Linsentausch erreichen: die subjektiv beste IOL-Auswahl und eine Brillenunabhängigkeit ohne unvorhergesehene Kompromisse!
Die tatsächliche Sehpräferenz des Patienten ersetzt die theoretischen Annahmen zur Augendominanz. Durch ein einfaches Probesehen kann jeder presbyope Patient selbst testen, welche Kombination für ihn persönlich das ideale Ergebnis liefert. Die Vorteile des klassischen Mix-and-Match-Prinzips werden somit durch Match & Mix erweitert und Patienten können von den positiven Eigenschaften zweier verschiedener IOL-Optiken profitieren.(4)
Die Vorteile von Match & Mix mit RALV im Überblick:
- Beste erreichbare Sehleistung mit IOL vorher erlebbar und subjektiv bewertbar(1)
- Echte Präferenzbestimmung statt Rechts-links-Verteilung nach theoretischer Dominanz(4)
- Maßgeschneiderte Versorgung durch flexible und exakte Anpassung mit Liberty²
- Gesteigerte Chance auf komplette Brillenunabhängigkeit(10)
- Trifokalität mit individuell optimierten Dysphotopsien(5)
- Trifokalität mit individuell optimierter Kontrastsensitivität(5)
- Trifokalität mit optimierter Defokuskurve(2)
- Bereits im digitalen Workflow der „IOL Experience mit RALV“ (1stQ) enthalten, für eine optimale Patientenberatung und Kommunikation(20)
®RALV ist ein Produkt der DEZIMAL GmbH. Alle Rechte bei DEZIMAL. 1stQ Deutschland GmbH vertreibt den passgenau auf RALV abgestimmten, digitalen Patientenworkflow als „IOL Experience mit RALV“ in Deutschland.
Literatur und Referenzen
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(20)CLE-Aufklärung war gestern – heute testen Patienten echte IOLs vorab! Ophthalmologische Nachrichten (Sonderveröffentlichung) 05.2025
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