MIOL nach Lasik? Wie Match & Mix mit RALV Klarheit schafft. [Case Report]

28.09.2026

Wie lässt sich eine multifokale IOL nach einer Laserbehandlung individuell auswählen? Dieser Case Report zeigt den Einsatz von Match & Mix mit RALV – von der präoperativen Simulation bis zum Drei-Wochen-Follow-up.

Nach refraktiver Laserbehandlung gilt die Indikation für multifokale IOL bei vielen Ophthalmochirurgen als heikel: Die Sorge vor verstärkten optischen Störeffekten führt häufig zur Ablehnung – auch wenn der Wunsch des Patienten nach Brillenunabhängigkeit unverändert besteht. Der folgende Fall zeigt, wie die präoperative IOL Experience mit RALV® die Entscheidungsfindung objektivierbar macht und die IOL-Auswahl individualisiert.

Fallbericht

CLE beidseits, Zustand nach LASIK beidseits

Operateur: Professor Dr. Gangolf Sauder

Einrichtung: Charlottenklinik für Augenheilkunde, Stuttgart

Zeitraum: April bis Juli 2026

Ausgangslage: Ausgeprägter Patientenwunsch nach Brillenfreiheit bei Laservorbehandlung

Ein Zustand nach refraktiver Laserbehandlung zählt zu den Konstellationen, bei denen multifokale IOL in der Praxis oft zurückhaltend indiziert werden: Die veränderte Hornhautoptik lässt eine erhöhte Störlichtempfindlichkeit befürchten, sodass Patienten mit entsprechender Vorgeschichte nicht selten von einer multifokalen Versorgung abgeraten wird. Gleichzeitig bleibt bei einem Teil dieser Patienten der Wunsch nach Brillenunabhängigkeit bestehen – die klinische Herausforderung liegt darin, das individuelle Risiko für optische Störeffekte vor der Operation belastbar einzuschätzen, statt sich allein auf eine generelle Kontraindikation zu stützen.

Im vorliegenden Fall betraf dies einen Vertriebsmitarbeiter, Daniel Smailus, mit hohem Fahranteil im Alltag, bei dem eine Laserbehandlung mehrere Jahre zurücklag. Aufgrund der Vorbehandlung und des beruflich bedingt hohen Anspruchs an eine verlässliche Sehqualität war die Sorge vor optischen Störeffekten durch eine multifokale IOL besonders relevant für die Therapieentscheidung.

Methode: Wie Match & Mix die IOL-Selektion präzisiert

Match & Mix ist eine Weiterentwicklung des klassischen Mix-and-Match-Ansatzes: Wie bei der klassischen Methode werden unterschiedliche IOL-Optiken in das rechte und linke Auge implantiert.1 Der entscheidende Zusatznutzen für die klinische Praxis liegt jedoch in der Möglichkeit der präoperativen Simulation des postoperativen Sehens mit dem Gerät RALV (by DEZIMAL GmbH): Mit RALV können Patienten verschiedene IOL-Kombinationen bereits vor dem Eingriff mit den eigenen Augen erleben und subjektiv vergleichen.1,2 Für das IOL Probesehen mit RALV werden echte Kunstlinsen in das Gerät eingesetzt. Es handelt sich also gerade nicht um eine virtuelle Simulation, sondern um das reale Sehen. Für die Indikationsstellung ist das relevant, weil die IOL-Verteilung nach dem gängigen Dominanzprinzip (geringere Addition ins dominante Auge) nicht in jedem Fall die optimale Lösung darstellt.1,3,6 Bei manchen Patienten erweist sich entgegen dem vorherrschenden Prinzip die Zuordnung der IOL mit der höheren Addition zum dominanten Auge als vorteilhafter.3 Match & Mix mit RALV ermöglicht damit ein intrasubjektives Matching der IOL auf die Augen und liefert dem Behandler eine patientenindividuelle Entscheidungsgrundlage vor der OP.

IOL Matching: IOL-Auswahl nach subjektiven Kriterien

Herr Smailus erhielt die Möglichkeit, verschiedene multifokale IOL-Kombinationen vorab im Match & Mix-Verfahren mit RALV zu testen. Durch den direkten, intuitiven Vergleich der Kombinationen im Gerät konnte die für ihn subjektiv am besten geeignete Lösung identifiziert werden. Für die Praxis war dabei aufschlussreich, dass sich die wahrgenommenen Halos präoperativ mit RALV als deutlich geringer darstellten, als es die LASIK-Vorbehandlung hatte befürchten lassen.

IOL Entscheidung: Liberty² Zweilinsenlösung

Die Wahl fiel auf eine Variante der Zweilinsenlösung Liberty² (1stQ): Dabei wird eine monofokale (oder torische) IOL in den Kapselsack implantiert und eine EDOF oder multifokale 1stQ AddOn® in den Sulkus desselben Auges. Dieses Vorgehen erlaubt eine flexible Korrektur der Presbyopie.4,5 Im vorliegenden Fall bestand der optimale IOL-Mix aus einer AddOn mit einer Addition von +3,0 Dioptrien und einer AddOn mit einer Addition von +1,75 Dioptrien.

Daniel Smailus über die Zweilinsenlösung Liberty² (1stQ) und wie wichtig der Blick durch RALV für seine Entscheidungsfindung war.

IOL Seitenpräferenz: IOL Matching vs. klassische Dominanzzuordnung

Zunächst wurden die IOL nach zuvor ermittelter motorischer Dominanz rechts und links im RALV-Gerät platziert. Bei Daniel Smailus zeigte sich das linke Auge als motorisch dominant. Entsprechend wurde die +1,75 D AddOn vor das linke Auge und die +3,0 D AddOn vor das rechte Auge gesetzt. Beim Durchschauen konnte der Patient Halos, Kontrast und das Sehen im Nah-, Intermediär- und Fernbereich selbst bewerten.

Um nicht nur die passenden IOL, sondern auch deren optimale Seitenverteilung zu identifizieren, wurden nun die beiden IOL im Match & Mix-Verfahren getauscht. Im direkten Vergleich empfand Herr Smailus die getauschte Verteilung intuitiv deutlich vorteilhafter. Die optischen Störeffekte waren reduziert und auch beim binokularen Sehen nur geringfügig wahrnehmbar. Die Bildwahrnehmung beschrieb er als klar und stabil. Auch beim monokularen Vergleich zeigte sich, dass das Sehen im Nahbereich mit der +1,75 D AddOn vor dem rechten Auge besser ausfiel als bei der ursprünglichen, dominanzbasierten Seitenverteilung.

Klinisch relevant ist hier vor allem der Befund selbst: Das Matching entgegen dem klassischen Dominanzprinzip führte zu einem messbar besseren subjektiven Ergebnis und gab für diesen Patienten den Ausschlag für die Entscheidung zur multifokalen Versorgung.

„Zum Glück gibt es Match & Mix mit RALV. Ich kann es kaum erwarten, brillenunabhängig zu werden.“ (Daniel Smailus, RLE Patient)

Post-op: Ergebnis und 3-Wochen-Follow-up

Nach der CLE ist Daniel Smailus vollständig brillenfrei. Die Ferne fühlt sich für ihn noch ungewohnt an. Er nimmt Halos wahr. Die zuvor befürchteten starken Störeffekte durch die laservorbehandelte Hornhaut traten jedoch in deutlich geringerer Ausprägung auf, als es die präoperative Sorge nahelegte – ein Befund, der sich bereits beim Probesehen mit RALV angedeutet hatte.

„Ich ertappe mich manchmal noch dabei, dass ich automatisch nach meiner Brille greifen möchte, weil ich denke, ich bräuchte sie für diesen Sehbereich. Im nächsten Moment merke ich dann, dass das gar nicht mehr nötig ist.“

Drei Wochen nach dem Eingriff zieht Herr Smailus ein erstes Fazit:

„Für mich hat sich der Eingriff definitiv gelohnt. Ich habe genau das erreicht, was ich mir gewünscht habe – endlich brillenfrei zu sein. Wenn sich das Sehen in der Ferne und die Halos in den nächsten Wochen noch weiter verbessern, bin ich vollkommen glücklich. Aber schon jetzt überwiegen für mich die Vorteile der Brillenfreiheit ganz klar gegenüber den noch bestehenden Nebenwirkungen.“

Klinische Takeaways für die Praxis

®RALV ist ein Produkt der DEZIMAL GmbH. 1stQ Deutschland GmbH vertreibt das Gerät sowie den passgenau auf RALV abgestimmten Patientenworkflow als „IOL Experience mit RALV“ in Deutschland.

Literatur und Referenzen

1 La Schiazza O, Kornfeld M, Brezna W, Dragostinoff N, Plank N, Socías R. Leistungsbewertung eines Sehsimulators für Intraokularlinsen. Ophthalmologie 2026. https://doi.org/10.1007/s00347-026-02451-7
2 1stQ Datenerhebung DOC 2026; unpublished, data on file
3 Zhang F, Sugar A, Arbisser L, Jacobsen G, Artico J. Crossed versus conventional pseudophakic monovision: Patient satisfaction, visual function, and spectacle independence. J Cataract Refract Surg. 2015;41(9):1845-54. https://doi.org/10.1016/j.jcrs.2015.10.013
4 Harrisberg BP, Chua AW, Chua MJ, Taher A. Comparison of Primary Duet Lens Procedures: In-The-Bag Monofocal with Sulcus Multifocal, and Standard Single Multifocal Lens for Cataract Surgery. Clinical Ophthalmology 2023;17:273-282. https://doi.org/10.2147/opth.s396472
5 Presbyopiekorrektur mit dem Zweilinsensystem Liberty². Ophthalmologische Nachrichten, Sonderveröffentlichung, Mai 2019.
6 IOL Matching – der optimierte Weg zur Brillenfreiheit. Ophthalmologische Nachrichten, Sonderveröffentlichung, Oktober 2026.

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